Freitag, 26. März 2010

Berliner Therapiekonzept setzt auf Willenskraft und Selbstverantwortung bei „Pädophilen“ und potentiellen Mißbrauchstätern

Damit aus Gefühlen keine Taten werden

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks eV in Münster

Berliner Therapiekonzept setzt auf Willenskraft und Selbstverantwortung bei „Pädophilen“ und potentiellen Mißbrauchstätern

Unter dem Leitwort „Damit aus Phantasien keine Taten werden“ versucht das „Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin“ an der Berliner Universitäts-Klinik „Charite“, jenen Menschen verhaltenstherapeutisch zu helfen, die zwar „pädophile“ (auf Kinder ausgerichtete) Sexualphantasien haben, diese aber nicht ausleben möchten. Es geht also darum, Kinderschändung und Mißbrauch im Vorfeld zu verhindern.

Doch was tun, wenn Fehlhaltungen so tief in der Persönlichkeit verankert oder bereits frühkindlich zementiert wurden, daß eine „Heilung“ der sexuellen Fehlorientierung unmöglich erscheint? Eben dies wird im Falle der sog. „Pädophilie“ von fachwissenschaftlicher Seite allgemein angenommen. Ist hier der Psychologe nicht mit seinem Latein von vornherein am Ende?

Dies wäre nur dann der Fall, wenn er den Menschen lediglich als „höheres Tier“ ansieht, das seinen Antrieben, Wünschen und Gefühlen unkontrolliert ausgeliefert ist und diese angeblich „ausleben“ muß, wie das seitens der Vulgär-Freudianer verkündet wird. Doch der vermeintliche „psychische Apparat“ (Fachausdruck der Freudschen Psychotherapie) ist keineswegs allmächtig, der Mensch kann ihn vielmehr mit Hilfe seines freien Willens regulieren, zumindest hinsichtlich seiner Auswirkung, seines Handelns, seiner Taten.

Verhaltenskontrolle ist also auch dort möglich, wo Gefühlskontrolle versagt.

Das weltweit einzigartige Therapieprogramm der Berliner „Charite“ geht davon aus, daß eine „pädophile“ Grundhaltung in der Regel nicht heilbar ist. Was geändert werden kann, ist das tatsächliche Verhalten, das durch Einsicht, Willenskraft und Selbsterziehung in gute Bahnen gelenkt werden soll.

Es geht um Erlernen von Selbstverantwortung und damit um Verhinderung von Kindesmißbrauch. Der Betroffene, der freiwillig zur Therapie kommt, soll wissen: „Ich bin nicht schuld an meinen Gefühlen, aber ich bin verantwortlich für mein Verhalten.“

Damit handelt es sich um ein Therapiekonzept, das auf dem christlich-katholischen Menschenbild beruht, wonach der Mensch zwar von Erbanlagen, Erziehung und Umwelt geprägt wird, sich aber gleichwohl durch seine Willensfreiheit und Charakterkraft durchaus selber erziehen kann und selbstverantwortlich handelt.

In einem Interview mit der links-alternativen Tageszeitung „taz“ vom 18. März 2010 äußerte sich Christoph Joseph Ahlers auch zur derzeitigen Mißbrauchs-Debatte in Deutschland. Der renommierte Sexualtherapeut ist Klinischer Psychologe am „Charite“ und widersprach gegenüber der „taz“ einer Reihe üblicher Klischeevorstellungen.

So sei nur eine Minderheit der „Kinderschänder“ pädosexuell geprägt - oft entstehe Kindesmißbrauch durch den Wunsch nach Machtausübung gegenüber Schwächeren oder dem Wunsch nach bequemen Sexerfahrungen.

Als der Therapeut feststellte, die „überfällige“ Diskussion über Mißbrauch sollte sich nicht auf katholische Kirche und Internate beschränken, fragte die Zeitung nach: „Warum betonen Sie das so?“

Ahlers Antwort verdeutlicht, daß ihm die „Sündenbock-Funktion“ bewußt ist, von denen viele Anschuldigungen gegen die katholische Kirche geprägt sind, denn er erklärte der „taz“:

Wenn die Kirche zum Sündenbock wird

„Wenn man die Zeitungen liest, gewinnt man den Eindruck, sexueller Kindesmiss-brauch, Kirche und Internate seien quasi Synonyme. Das ist eine verzerrte Darstellung. Wenn man das Gesamtphänomen betrachtet, ist der Anteil der Kirche an den gesamten Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch gering. In Deutschland werden jährlich viele tausend Taten begangen. Mit der Fokussierung auf die katholische Kirche entlastet sich die Gesellschaft von dem Blick auf sich selbst.“

Auf die Frage „Geht es etwa konkreter?“, erläuterte der Psychologe:

Der mediale Diskurs, den wir zurzeit erleben, trägt nur bedingt zur Vorbeugung von sexuellem Kindesmissbrauch bei, weil die Suche nach den Ursachen immer auf besondere Gruppen gerichtet wird: die Priester oder die Pädophilen. Dabei wird das Gros der Taten in der gesellschaftlichen Mitte begangen, in Familien, überwiegend von Nicht-Priestern und Nicht-Pädophilen.“

Auf die Frage, ob Pädophile bei Priestern überproportional vertreten sind, antwortete er: „Nein, das wissen wir nicht.“

In der „taz“ erschien unter diesem Interview ein Leserbrief von „Frank“ aus Berlin, der zu diesem Gedankengang Folgendes schreibt: „Das zu lesen, war mal notwendig. Denn die bisherige Diskussion und Berichterstattung lief größtenteils darauf hinaus, den sexuellen Missbrauch in jene Bereiche zu bannen, wo es der Gesellschaft und dem Einzelnen nicht zu arg schmerzt: verschwiemelte Internate und die katholische Kirche. Da lässt es sich wohlfeil empören, da kann man sicheren Abstand wahren.“

Offenbar gehört der Psychologe Ahlers auch nicht zu jenen, die sexuelle Frühaufklärung von Kindern als geeignetes Mittel ansehen, um sie vor Mißbrauch zu schützen. Stattdessen antwortet er auf die Frage „Wie könnte man die Kinder stärken?“ folgendermaßen:

„Es werden vor allem Kinder Opfer sexueller Übergriffe, die zu Hause nicht genug Liebe und Aufmerksamkeit bekommen. Je geborgener und wertgeschätzter Kinder aufwachsen, desto besser sind sie gegen sexuelle Übergriffe gefeit. Selbstbewusste Kinder können sich stärker abgrenzen und gegebenenfalls widersetzen, auch bei Missbrauch in ihrem persönlichen Umfeld.“

Liebe, Aufmerksamkeit und Geborgenheit für Kinder - das ist wirklich der Weg für eine gute Zukunft, für einen aufrechten Gang, für Schutz und Charakterstärke.

Kommentare:

Christoph Rebner hat gesagt…

Gefährlich, wenn ein Konzept nicht auf seine eigene erwiesene und einsehbare Wirksamkeit setzt, sondern nur auf Forderungen und Ansprüche, die dann andere erfüllen müssen.

Trapin hat gesagt…

Was wir mit dem Willen "schaffen können" wissen wir an uns selbst.
Nicht ab und an: sondern beständig.
Nach der Selbstbeleuchtung finden wir dann eine schlüssige Antwort.
Als Christ wissen wir aber, dass Gott Wunder wirken kann über Bitten und Verstehen. Das wirkt Veränderung; nicht der eigene Wille sondern der Glaube.
Das Problem ist in einer gottlosen Gesellschaft zu suchen.
Da, wo man aufeinander Acht gibt und sich Gottes Wertmaßstab unterwirft, sind solche Ergüsse kaum zu finden.
Übrigens auch in transparenten Familien nicht.
Wegschauen ist ein Mechanismus um mich mit mir als sündigem Wesen nicht auseinander setzen zu müssen

Chorleiter hat gesagt…

Na bitte, Frau Küble, Sie schaffen es, beim Schreiben etwas näher an das Problem zu rücken und sich der anderen Sicht zu nähern.
Zwei Bemerkungen seien mir gestattet:
Nicht Sie sagten es, aber wer sagt:
„Nein, das wissen wir nicht.“
sollte sich tunlichst von dem Nichtwissen leiten lassen und Tangierendes nicht werten, bewerten; das sollte auch so Beachtung finden.
Andere nehmen solche begleitenden Worte gern als absolut gültig.

Für Nicht-Religiöse ist die Sicht in Richtung Tier, wenn er menschliches Fühlen und Verhalten begutachtet und beurteilt, nicht verstellt, sollte, wie richtig bemerkt, sollte eben nicht vordergründig sein.
In der Bibel steht:
"Doch wenn sie sich nicht enthalten können, sollen sie heiraten. Es ist besser zu heiraten, als von unerfülltem Verlangen beherrscht zu werden.
1.Korinther 7
Das sollte jedem Menschen zugebilligt werden und wäre ein guter Anfang; auch, um besser selbst seinen Willen, sein Wollen, seinen Weg zu finden und zu gehen.

Ich hoffe, daß sich die Gefühle in der Überschrift nur auf die hier behandelten "Taten" beziehen. Als Chorleiter lebt man auch seine Gefühle aus, in den Taten für Musik; gepaart mit Wissen.

Anonym hat gesagt…

"Damit handelt es sich um ein Therapiekonzept, das auf dem christlich-katholischen Menschenbild beruht, wonach der Mensch zwar von Erbanlagen, Erziehung und Umwelt geprägt wird, sich aber gleichwohl durch seine Willensfreiheit und Charakterkraft durchaus selber erziehen kann und selbstverantwortlich handelt."

Ich dachte immer, dass die katholische Kirche seit jeher Umpolungsseminare und Therapien anbietet, um unerwünschte Sexualitäten zu "heilen" und monogam heterosexuell aus den Leuten zu machen?
Mal von dieser Ungereimtheit abgesehen ist der Therapieansatz nicht christlich-katholischen, sondern rein pragmatisch. Nachdem festgestellt wurde, dass "therapierte" Pädophilen heufiger (wieder) in Sexualdelikte verwickelt werden, war der Schritt in Berlin längst überfällig.

Christian_Crusader hat gesagt…

Gott zum Gruße und einen gottgesegneten Nachmittag, Mitchristen!

Die aussage vom Christen Chorleiter soeben meine Seele in tiefen Aufruhr versetzt:

-Zitat-
"Doch wenn sie sich nicht enthalten können, sollen sie heiraten. Es ist besser zu heiraten, als von unerfülltem Verlangen beherrscht zu werden.
1.Korinther 7
Das sollte jedem Menschen zugebilligt werden und wäre ein guter Anfang; auch, um besser selbst seinen Willen, sein Wollen, seinen Weg zu finden und zu gehen.
-Zitat Ende-

Zuerst dachte ich, Chorleiter hätte sich auf die Seite jener Ungläubigen geschlagen, die das gottgewollte und unbedingt notwendige Zöllibat für die Kinderschändungen verantwortlich machen und das "argument" besitzen, eine priesterehe, so wie sie in den abtrünnigen protestantischen kirchen praktiziert wird, ermögliche dem priester, seine sexualität bei seiner gattin auszuleben und ihn so von kindern abzuhalten. jeder weiß, dass dies die worte satans sind! schändliche dinge wie sexuelles verlangen oder wollust sind einem wahren gläubigen priester fern! die "missbrauchsvorwürfe" die derzeit durch die unchristliche presse gehen sind reine verleumdung! sie haben nur den zweck der rechtmäßigen vertretung des herrn auf der erde, der heiligen katholischen kirche zu schaden - und somit gleichsam gott zu schaden! diese vorwürfe wurden von den kindern satans erhoben! um die christenheit zu schützen sollten diese verleumdungen zurückverfolgt werden und im namen gottes des HERRN bestraft werden! ein jeder, der die unfehlbarkeit der katholischen kirche und ihrer vertreter infrage stellt, ist ein lügner und ein feind der christenheit!

ein jeder gute christ wird meinen worten zustimmen können!

Chorleiter hat gesagt…

"um die christenheit zu schützen sollten diese verleumdungen zurückverfolgt werden und im namen gottes des HERRN bestraft werden! ein jeder, der die unfehlbarkeit der katholischen kirche und ihrer vertreter infrage stellt, ist ein lügner und ein feind der christenheit!"

"ein jeder gute christ wird meinen worten zustimmen können!"

Die alte Zeit läßt grüßen, denn die gleichen Worte habe ich schon zu dieser gehört.
Und auch dort waren sie nicht meine, sind nicht das von mit Erkannte.
Wem soll ich folgen: Der Vernunft oder dem Glauben?
Zwei Herren kann man nicht dienen.

Christian_crusader hat gesagt…

deine worte sind mir ein rätsel, choerleiter: du sprichst von einer entscheidung zwischen glaube und vernunft - es klingt fast so, als wärest du auf dem rechten wege ins straucheln gekommen! ist es nicht offensichtlich, dass es hier nur eine mögliche entscheidung gibt, den glauben an gott den HERRN?
zudem wird dir die vernunft ebenfalls sagen, dass es nur recht und billig ist die heilige katholische kirche mit allen mitteln zu schützen, denn nur duch sie kommt der mensch zu gott! kannst du mir nicht zustimmen?

Chorleiter hat gesagt…

Nein.