Sonntag, 9. August 2009

Karlsruher Skandal-Urteil gegen das Elternrecht: Auf dem Weg in eine staatliche Erziehungsdiktatur?

Pressemeldung des Christoferuswerks vom 7.8.2009

Der Beschluß des Bundesverfassungsgerichts vom 21.7.2009 ist ein massiver Schlag gegen das Elternrecht, gegen das verfassungsrechtlich verankerte Grundrecht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder, gegen die Glaubensfreiheit und gegen das 4. Gebot Gottes: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ - Auch der Staat hat Vaterschaft, Mutterschaft, Ehe und Familie zu respektieren und darf nicht zu Lasten des Eltern und ihrer Kinder ideologisch bevormunden und fundamentale Grundrechte beschneiden.

Als wäre es nicht schon problematisch genug, daß dieses Urteil christlichen Eltern verbietet, ihren Kindern im Rahmen ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit den staatlichen Sexualkundeunterricht zu ersparen, so ist die Begründung des BVG-Beschlusses noch skandalöser:

Die Richter berufen sich auf einen angeblichen „Erziehungsauftrag des Staates“, den es überhaupt nicht gibt, der überdies im Grundgesetz nirgends erwähnt ist, auch nicht in Art. 7, Abs. 1, auf den sich das Karlsruher Urteil beruft. Dort heißt es lediglich: „Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.“

Aus einem gewissen staatlichen „Wächteramt“ läßt sich jedoch kein staatlicher Erziehungsauftrag ableiten, schon gar nicht ein solcher, der dem elterlichen Grundrecht auf Erziehung vorgeordnet wäre.

In Richtung staatlicher Einflußnahme zu Ungunsten der Eltern geht auch die Aussage der Richter, der Staat dürfe „auch unabhängig von den Eltern eigene Erziehungsziele verfolgen.“ - Wie läßt sich diese erstaunlich anmaßende Position mit dem unantastbaren Elternrecht vereinbaren? Soll hier einer unangemessenen staatlichen Kontrolle über die Familie Vorschub geleistet werden?

Der letzte Satz des Karlsruher Beschlusses „Diese Entscheidung ist unanfechtbar“, mag juristisch zutreffen, moralisch und politisch ist diese Entscheidung allerdings hochgradig anfechtbar.

Es sei daran erinnert, daß es in GG Art. 6, Abs. 1 heißt: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ – und nicht etwa unter der besonderen staatlichen Kontrolle. Der staatliche Schutz soll das Elternrecht auf Erziehung gewährleisten und nicht unterlaufen oder gar aushöhlen.

Nach katholischer Auffassung ist der Erziehungsauftrag der Eltern ein gottgegebenes Naturrecht. Zugleich leitet es sich aus dem 4. Gebot Gottes ab: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ - So stellt auch der „Katechismus der Katholischen Kirche“ fest: „Das Grundrecht und die Grundpflicht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen, sind unveräußerlich.“ (KKK 2221).

Das „Elternrecht“ auf Erziehung wird nicht erst vom Staat „verliehen“ oder huldvoll „gewährt“, es ist vielmehr ein unantastbares Naturrecht und zugleich ein Abwehr-Recht gegenüber staatlicher Willkür und totalitären Anmaßungen.

Katholische und evangelische sowie klassisch-liberale und wertekonservative Standpunkte stimmen darin überein, daß der Staat nicht totalitär sein darf - das gilt auch und gerade für den demokratischen Staat, wenn er Rechtsstaat bleiben und nicht zur ideologischen „Demokratur“ entarten will.

Der aktuelle Beschluß der Karlsruher Richter ist umso besorgniserregender, als er auch bisherigen Grundsatzurteilen des Bundesverfassungsgerichts klar widerspricht.

So formulierte das Bundesverfassungsgericht (BVG) in seinem Beschluß vom 10. August 2006 (AZ: 1 BvR 2529/05) folgende Leitsätze zum Elternrecht:
„Dieses Grundrecht garantiert den Eltern das Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Die Erziehung des Kindes ist damit primär in die Verantwortung der Eltern gelegt, wobei dieses "natürliche Recht" den Eltern nicht vom Staate verliehen worden ist, sondern von diesem als vorgegebenes Recht anerkannt wird. Die Eltern können grundsätzlich frei von staatlichen Einflüssen und Eingriffen nach eigenen Vorstellungen darüber entscheiden, wie sie die Pflege und Erziehung ihrer Kinder gestalten und damit ihrer Elternverantwortung gerecht werden wollen . Diese primäre Entscheidungszuständigkeit der Eltern beruht auf der Erwägung, daß die Interessen des Kindes am besten von den Eltern wahrgenommen werden.“

In ähnlich eindeutiger Weise äußerte sich das Grundsatzurteil des BVG vom 16.1.2003 (AZ: 2 BvR 716/01):

„Art. 6, Abs. 2 Satz 1 GG garantiert den Eltern das Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Sie können grundsätzlich frei von staatlichem Einfluss nach eigenen Vorstellungen darüber entscheiden, wie sie ihrer Elternverantwortung gerecht werden wollen. Ziel, Inhalt und Methoden der elterlichen Erziehung liegen im Verantwortungsbereich der Eltern. Konkrete Erziehungsziele sind ihnen von Verfassung wegen nicht vorgegeben.“

Für den Fall schwieriger Grenzsituationen erklärten die Karlsruher Richter damals: „Nicht jedes Versagen und nicht jede Nachlässigkeit berechtigen den Staat, die Erziehungsbefugnis der Eltern einzuschränken oder gar auszuschalten; es gehört auch nicht zum Wächteramt, gegen den Willen der Eltern für eine bestmögliche Entwicklung des Kindes zu sorgen. Der Staat muss vielmehr stets den Vorrang der elterlichen Erziehung achten.“

Interessanterweise erinnerten die Richter zugleich geschichtskritisch daran, daß es „ab 1933“ (!) dazu gekommen sei, „ein Erziehungsrecht auch des Staates zu betonen“.

Sind die unseligen Maßnahmen jener braunen Diktatur, das Elternrecht zugunsten eines totalitären Staates auszuhöhlen, bereits in Vergessenheit geraten? Gehören nun die Kinder bald wieder dem Staat? Gerät die Familie zunehmend unter Fremdeinfluß und staatliche Kontrolle?

Überdies stellt sich die Frage, warum in Deutschland seit langem doppeltes Recht gilt, denn einerseits sind christliche Eltern gezwungen, ihren Kinder die Sexualkunde zuzumuten, was zu Lasten ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit geht, andererseits werden moslemische Schüler auf Wunsch ihrer Eltern mitunter vom "gemischten" Sport- und Schwimmunterricht sowie von Schulausflügen befreit. Wo bleibt hier die Gleichheit vor dem Gesetz? Doppeltes Recht ist eindeutiges Unrecht!

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks e.V.

Christoferuswerk eV.
Felizitas Küble
Schlesienstr. 32
48167 Münster
Tel:0251-616768
Fax:0251-614020

Kommentare:

Stefan Sedlaczek hat gesagt…

Man darf sich keinen Illusionen mehr hingeben: Wenn beispielsweise 45% der Leser einer für deutsche Verhältnisse liberalen Zeitschrift ein staatliches Erziehungsrecht via Schule begrüßen, dann ist das Denken in diesem Lande schlichtweg immer noch oder schon wieder nationalsozialistisch. Daß sich das höchste deutsche Gericht allerdings nicht entblödet (ein euphemistischer Ausdruck verbietet sich hier), den Besuch einer Karnevalsfeier und eines Theaterstücks unter den hehren Begriff einer Pflicht zu subsumieren, muß erschrecken. Selbstverständlich ist dies deontologisch völlig unhaltbar. Der den Juristengeist überhitzende Rechtspositivismus scheint jetzt als beherrschende Hybris auch auf andere Disziplinen überzugreifen.
Unter diesen Umständen kann eine Anerkennung des staatlichen Gewaltmonopols nicht anhalten, da ansonsten Art. 20 (4) GG nicht mehr mit Leben zu füllen ist. Christen und Freiheitsliebende müssen sich nun entscheiden: Für friedliches Erleiden erneutem massiven staatlichen Unrechts oder eine militante Schulbefreiungsfront. Der "Rechtsstaat" ist höchstrichterlich pervertiert, was vielleicht nur natürliche Folge ist, wenn man das gerichtliche Letztentscheidungsrecht einem staatlichen Monopolisten anvertraut. So geht es jedenfalls nicht weiter.

Chorleiter hat gesagt…

Es ist schön, wenn man solches liest.
Christen können mit neuen Entwicklungen eh nichts anfangen, mischen ihren Quark, der von Übervorgestern trieft, und wollen immer nur ihrs.
Solchen Schwachsinn, aufbauend auf, zugegeben, Fehlern oder Ungereimtheiten, deren Ursache oft im christlichen Nichtmitwirken und auch ihren Hegemoniebestregungen zum Nachteil Anderer zu finden sind, sollte sich keiner hingeben. Menschlicher Verstand ist durch christliches Dogma nicht zu ersetzen - und das zeigt sich immer mehr. Und Verstand wird sich weiter durchsetzen, auch wenn man es nicht wahrhaben will, mit allen Mitteln sich dagegen stemmt.
Auch dem Herrn Sedlaczek kann ich nur raten, den Unterschied zwischen Bildung und Erziehung nicht zu seinem Gutdünken auszulegen. Erst einmal WISSEN, was ist was, was will was, was macht was, was soll etwas und was bewirken, dann kann es weitergehen.
Was war früher der Unterschied von christlicher Erziehung zu Erziehungsdiktatur?
Man, man, man: Und ihr wollt uns vom Moral reden?
Ein unverheirateter, kinderloser Papa, nebst unverheirateten, kinderlosen Frauen, die kluge Ratschläge für Familie und deren Beteiligte geben, Neues ablehnende oder Niedersprechende Bürger, die sich ohne den Vorsatz
"christlich" nicht auf die Straße getrauen und alles gegen sich richten, was ihnen widerstrebt, auch wenn sie es nur nicht verstehen!
Wir leben Heute und für das Morgen.
Und das sieht anders aus als ihr es wollt oder nicht begreifen wollt. Wer sich da nicht einbringen will, das sich Entwickelnde zum Gemeinwohl mitentwickelt oder "früher war doch alles schöner" greint, der wird wohl unverstanden zurückbleiben.
Chorleiter

Trapin hat gesagt…

@chorleiter

Ich sehe in deinen Ausführungen durchgängig eine Verteidigung des moralischen Zerfalls unserer Gesellschaft.
Welche Interessen mögen da nur hinter stehen?
Natürlich ist das Urteil ein Skandal.
Ich habe vor Jahren mein Kind an einem Hexenfestival in der Grundschule nicht teilnehmen lassen. Ob das nach einem solchen Richterspruch noch möglich ist?

Ein gesunder Staat kann nur durch gesunde Familien existieren.

Wir sind gerade dabei, die gesunden Strukturen zu zerschlagen.

Ich kann nur hoffen, dass sich die Familien nicht einschüchtern lassen und staatliches Unrecht nicht mittragen.

Der Ruck, der durch unsere Gesellschaft geht, muss seine Richtung um 180° korrigieren.

Ich würde mir wünschen, dass die Christen insgesamt in Deutschland aufstehen und nicht schweigen.

Dann werden sie nämlich heute schon das erleben, was ihnen vorausgesagt ist: Verfolgung.

Chorleiter hat gesagt…

@ Trapin
Von ihnen kann ich wohl nicht erwarten, dass Sie mich verstehen, verstehen wollen. Das ist deutlich aus Ihrem Post zu lesen.
Wenn Sie schreiben:
"Ich sehe in deinen Ausführungen durchgängig eine Verteidigung des moralischen Zerfalls unserer Gesellschaft."
ist das nämlich nicht nur falsch sondern, man könnte es so sehen, eine infame Unterstellung.
Moral hat immer etwas mit der Gegenwart zu tun, sie kann anderes beurteile, aber Vergangenes kann sie nicht ändern, die Zukunft wohl beeinflussen.
Allein die Entwicklung zur heutigen Familie ist interessant zu verfolgen; nicht nur in unserem Kulturkreis.
Und die Entwicklung geht weiter, denn würde es zum Spruch kommen: "Verweile doch, du bist so schön!" ist es um uns und die gesamte Zivilisation geschehen.

Eine Möglichkeit, der Verfolgung zu entgehen gibt es: Bringen Sie zur Entwicklung gute, bestimmende und wirksame Vorschläge. Halten Sie sich dran, leben Sie diese vor.
Entscheiden Sie für sich: Was ist richtig, was ist falsch, was führte früher zum Gelingen, was war früher nur Schein.
(z.B. Damit ein Auftritt mit einem anderen Chor gut lief, habe ich so dirigiert, wie ich wußte, daß die Sänger sangen und habe mir mein Teil gedacht als gesagt wurde: "Die hast du aber gut im Griff." Ich hätte mir manches anders, besser gewünscht. Ich habe diesen Erfolg so nur inszeniert, nicht gestaltet.)
Man kann von anderen nur fordern, was man vorher investiert hat und was trägt. Ich habe nicht das Gefühl, daß Christen, wenn sie denn insgesamt in Deutschland aufstehen, anders wirken als die Menschen zu Babel.
Wenn nicht das Wahre im Menschen steckt und abrufbar, wirksam für andere wird, kann man es nicht zwingen; leider.

"Wir sind gerade dabei, die gesunden Strukturen zu zerschlagen."

Das sehe ich nicht so und tue für meine Ansicht mein Mögliches. Auch hier, indem ich sage, was ich denke.
Chorleiter

Stefan Sedlaczek hat gesagt…

@Chorleiter:
Ihre vor Imperativen strotzenden Kommentare sprechen ja für sich, lassen allerdings praktisch nie die vertretene Position begründet erkennen. Behauptungen aufstellen kann jeder, Meinungen sind in unserer ach so möchtegern demokratischen Zeit billig. Und selbstverständlich kenne ich den Unterschied zwischen Erziehung und Bildung, auch den zwischen Lernen und Schule, auch den zwischen Wissen und Bildung, und auch den zwischen Charakter und Befähigung, den zwischen Begründung und Argument und auch den zwischen Kommentar und Hetze.
Es sind sehr unterschiedliche Publikationen für die ich schreibe und ich weiß ganz sicher, daß die erste Voraussetzungen für Pluralismus die Möglichkeit verschiedener Lebensweisen ist. Das Prokrustesbett in das die Kinder seitens der politkriminellen modernen Demokraten und ihrer obersten Möchtegern-Richter* gezwungen werden ist das genaue Gegenteil einer pluralistischen Gesellschaft: Hier sollen alle das gleiche leben, mit der im übrigen völlig inkonsequenten Begründung, die unterschiedlichen Sichtweisen aufeinanderkommen zu lassen: Unterschiedliche Sichtweisen, die man zwar (noch) haben darf, aber schon nicht mehr leben "darf" - jedenfalls rechtswidrig darin gestört, bestohlen und genötigt wird. Soweit geht die demokratisch-sozialistische Tyrannis: Die Meinung der Massen, der Mehrheit, die sich irgendwie bestimmt, macht keine Ausnahmen, kennt keine Gnade.
Und lassen Sie mich etwas persönliches hinzufügen: Es geht nicht nur um die unerhörte Beleidigung einer Bevormundung, es geht auch nicht nur um die intellektuell geradezu irre Zumutung eines deontologisch völlig verkehrten Wahn-Sinns (als wenn Theaterbesuch und Karnevalsfeier je Pflicht sein könnten): Wer meinen Kindern zu schaden trachtet, wird mit meinem entschiedensten Widerstand zu rechnen haben. Und ich, ich wiederhole es: ich, als deren Sorgetragender, als ihr Vater, werde sie beschützen, werde mich zwischen sie und den tobenden demokratischen Mob (der Chorleiter und ähnlicher) und dessen Lakaien werfen, werde argumentieren und kämpfen und ich gebe sie nicht eher verloren, als bis ich selbst verloren bin. Dann aber sind wir in Gottes Hand, die Hybris der Materialisten berührt uns nicht.

*Die von Parteien gewählt werden, aber nicht von den streitenden Parteien - was ist denn das für eine Gerichtsbarkeit, in dem der Gerichtsstand vorgeschrieben wird? Der moderne Mensch gewöhnt sich an die verrücktesten Sachen. Dazu braucht er die staatliche Beschulung, daß man den Staat für Gott nimmt und alles für Recht hält, was bloß Papiergesetz ist. Damit man mit Papiergeld und Papierverfassungen vorlieb nimmt und alle Hoffnung auf das "große Ganze" des "Staates" setzt.

Chorleiter hat gesagt…

Beim Aufsatz würde stehen: "Thema verfehlt!"
Werfen Sie anderen nicht etwas vor, was aus jedem Ihrer Sätze strömt.
Meine Position ist und bleibt:
Der Mensch!
Ohne wenn und aber, aber mit Vernunft und Erkenntnis.
Wenn etwas nicht in Ordnung ist, dann Ärmel hoch und ran.
Wir sind früher auch "gut beschützt" worden. Deswegen hat Schutz und Diktatur bei mir vermutlich einen anderen Stellenwert.
Doch lebe ich mit anderen Menschen, Bürgern wie du und ich, zusammen, wie früher auch schon.
Und wenn Kirche zu wirken beginnt, wie ich früher die Partei kannte, dann darf ich wohl mal fragen: Das soll es sein?
Für Sie ist einer unfehlbar, für mich nicht. Und Gerechtigkeit kann anstrengend sein, die Jagd danach noch verwirrender. Für uns gilt: ... der werfe den ersten Stein.
Mensch sein soll Spaß machen, Freude ist das Wasser fürs Leben.
Und trotz widriger Umstände, Verbesserungswürdigem bleibe ich dabei: Leben ist für alle da! Und jeder nehme sich nicht mehr als er verträgt.(Lieber Imperativ als impertinent.)
Chorleiter

Anonym hat gesagt…

Katholische Moral ist gut :-)

Stefan Sedlaczek hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Chorleiter (und alle, die es interessiert),

vielen Dank für ihre erläuternde Darlegung.

Ja, der Mensch. Darum geht es. Und ich möchte jetzt keinesfalls Humanismus gegen Theologie ausspielen. Auch theologisch sind sein Schöpfer und der Mensch ja ebenbildlich (Gen 1,26). Was Vernunft und Erkenntnis angeht, so ist zu konstatieren:

Wie nie zuvor in der Geschichte der Deutschen, ist der dort lebende Mensch bevormundet und bevorschriftet. Das - vermutlich ausklingende - Papierzeitalter, in dem wir leben, kennt nicht nur die Inflation des Papiergeldes, sondern auch die papierner "Gesetze". (Echte Gesetze wirken von selbst, es handelt sich also um Vorschriften.) Über 800.000 Vorschriften begründen - als staatsgewaltbewehrte Diktate - die "demokratische" Diktatur des Volkes über den Einzelnen.(1) Ein Schutz davor ist nicht in Sicht, selbst die Würde des Menschen ist zunehmend nur noch soviel wert, wie das Papier, auf das sie gedruckt wurde. Ihre Aussage, daß Sie und ich - als Bürger wie früher schon - zusammenleben ist dabei nicht präzise: Bürgertum ist erst wenige Jahrhunderte alt und im Niedergang. Die weltweite bolschewistische Revolution (Bolschewik = russ., Mehrheitler) fegt alle Vernunft hinweg. Warum? Weil zur Herrschaft der Mehrheit allein die bloße Meinung genügt, Begründung und Verantwortung derselben sind nicht erforderlich.(2)

Die Steinewerfer sind hier die Schulbürokraten und die staatlich monopolisierten Gerichte, die keine andere Freude anerkennen als die, die sie selber kennen und fortwährend unzulässig verallgemeinern. Spaß mag dabei das Diktat des Hedonismus sein, muß es aber nicht. Die Freude aber, die es Strenggläubigen macht, gottgefällig zu sein, ist ebenso tolerabel - wie eine pluralistische Gesellschaft eben erst begründend. Wenn auch Sie hier toleranter werden, sehr geehrter Herr Chorleiter, dann bin ich ganz bei Ihnen, die Freude das Wasser des Lebens sein zu lassen. Hier aber die Staatsgewalt (de Jouvenel) zu mißbrauchen, um alle nach dem Gusto der Nomenklatura zwangszubeglücken trifft genau das Bild des Prokrustesbettes. Die moderne Massenmenschenhaltung der selbsternannten Eliten fordert ebenso wie der demokratische Mob neben der Umweltverschmutzung auch die Menschenverschmutzung(3): Heiliges gibt es ja nicht. Und doch ist der Dreck, in den die Menschen gezogen werden sollen, wundersam das Element aus dem der Schöpfer den Menschen im Paradiese schuf, bevor dieser, in gottgewollter Freiheit, fiel - und sich seitdem in Freiheit auch wieder halbwegs aufrichten vermag. Ich bin kein Apokalyptiker, sondern weiß um die den Menschen angedachte Heilsgeschichte. Zwischen allen Wirrungen und Irrungen scheint doch das Paradies hindurch.

Und was geschieht da den Menschen in deutschen Landen, die die widrigen Umstände anpacken, die Besseres zu leben suchen - wie Homeschooler, Unschooler und Freilerner dies leisten? Es kommt die deutsche Polizei, nimmt Kinder in Schulen und Eltern in Strafvollzugsanstalten gefangen, nötigt und beraubt Familien, beleidigt sie (und die Vernunft) noch, in dem sie alles dies "Recht" nennt. Erwachsene haben wie selbstverständlich das Recht, auf einem halbwegs freien Bildungsmarkt zu lernen und sich zu bilden. Heranwachsende aber werden diskriminiert und auf die planwirtschaflich verstaatlichte Schulbürokratie verwiesen. Abgesehen davon, daß es keineswegs bürgerlich ist, wenn nicht die Bürger den Staat bilden, sondern der Staat die Bürger bildet.(4) Ein Unding.

Ja, es geht um den Menschen, um die Menschen die es besser haben könnten, als staatliche Monopole es nun einmal mit sich bringen: Verstaatlichung konserviert immer (da Information fehlt), Monopolisierung verteuert, verschlechtert und behindert. Dies alles ist praxeologisch-gesetzmäßig erkannt und beschrieben. Und trotzdem beharrt die Unvernunft aus altem Herdentrieb (oder was auch immer) darauf, daß gerade die lebenswichtigsten Dinge ...

Stefan Sedlaczek hat gesagt…

...
(Gesundheit, Bildung, Alterssicherung) diese Nachteile erfahren sollen. Hätten wir nicht die Technik, wir wären wahrscheinlich längst krepiert. Bereits der größte Teil der Wertschöpfung fließt in die Taschen eben nicht Wertschöpfender (weil Verwaltender und sogar Behindernder); dieses Thema ist ein weites Feld.
Als wäre dies alles nicht schlimm genug, geht da ein parteiisches Gericht (die Richter sind von den Parteien bestimmt, Gerichte können in Deutschland die streitenden Parteien nicht einmal frei wählen) hin und postuliert eine "Pflicht", gar zum Besuch eines Theaterstückes und einer Karnevalsfeier. Eine solche Pflicht gibt es natürlich ebensowenig wie eine Schulpflicht.(5) Es ist allein die Hybris der modernen Demokraten, alles bestimmen zu dürfen, die hier trägt. Ein vernünftiges Fundament ist dies nicht. Ein freudiges auch nicht. Es ist also wohl so, daß das Leben nicht für alle da ist, sondern Maß und Lebensweise sich im engen Rahmen des vom Massenmenschen Geduldeten bewegen müssen. Dies aufzuweiten, dafür schreibe ich. Und wenn nur ein kleinwenig der allgegenwärtigen Illusionen sich klären kann, dann hüpft mein Herz vor Freude, weil mehr und besseres Leben möglich werden kann, weil die vielfach betrogenen Menschen freier in Ihren Vollzügen werden - und nicht mehr das kleinste gemeinsame Vielfache beschränkter Subjektivität unzulässig objektiviert zum "Gesetz" erhoben wird, welches Zwang zu rechtfertigen nur scheint.

Mit freundlichem Gruß
gez. Ihr Stefan Sedlaczek

(1) http://kum1.sedla.net
(2) http://kum2.sedla.net
(3) http://kum3.sedla.net
(4) http://kum4.sedla.net
(5) http://kum5.sedla.net

"Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden." (Rosa Luxemburg)

"Die Freiheit der Wahl führt zur Würde des Menschen." (Maria Montessori)

Stefan Sedlaczek hat gesagt…

Postscriptum:

Mir fiel ein Buchzitat ein. Vielleicht sind sie, Herr Chorleiter, ja eine oder eine halbe Generation älter als ich, was ich in Bezug auf Kirche und Welt hier darlege:

http://kum6.sedla.net

Chorleiter hat gesagt…

Werter Herr Stefan Sedlaczek,
Sie haben wirklich gut und auch nett Ihre Sicht der Dinge dargelegt. Die Menge der Informationen übersteigt mein derzeitiges Zeitvolumen zwecks Replik. Ich finde, daß Ihr Post eigentlich und hier das wesentliche sagt, einen Kommentar meinerseits nicht bedarf, doch für Andere in dieser Form hier sinnvoll ist.
Es ist schön, so etwas lesen zu können; auch - und das werden Sie mir nachsehen - meine Sicht in andere Richtung geht.
Danke.
Ihr Chorleiter

Anonym hat gesagt…

@chorleiter
irgendwie blickst Du nicht durch, oder was ?

Anonym hat gesagt…

Die gesamte Kultusministerkonferenz müsste man einlochen.

Sollte irgend so ein Schwuch.tel-sa.uheini oder eine Lesb.entussi meinen Kindern in der Schule die Gedanken und Phantasie versauen, kann sie sich einen Rollstuhl bestellen ...- und ein Taxi, denn während sie noch ihren moralischen Zerfall anpreist, brennt vor der Schule bereits ihre verfi.ckte Karre.
Garantiert.

Wer uns verfolgen will, muß aber einiges einstecken können.

Chorleiter hat gesagt…

@Anonym
13. August 2009 14:38

Wer so gepflegt schreibt, steht sich meist selbst im Weg.
Schau nicht in den Spiegel, sonst kriegst du noch schlechtere Laune!
GDksGv
Chorleiter

Old Geezer hat gesagt…

"„Erziehungsauftrag des Staates“, den es überhaupt nicht gibt"

...Kinder haben das Grund- und Menschenrecht auf Bildung und eigene Entwicklung - auch bei uns!

Eltern haben dagegen KEIN Grund oder Menschenrecht ihre Kinder in ihrer eigenen Ignoranz festzuhalten und ihr persönliches Scheuklappendenken unangefochten weiterzureichen.

Old Geezer hat gesagt…

@stefan Sedlaczek:

"Christen und Freiheitsliebende"

...schön, daß Sie hier so klarstellen, daß es sich darum um zwei disjunkte Gruppen handelt....

Old Geezer hat gesagt…

@Stefan Sedlaczek:

"massiven staatlichen Unrechts"

...interessant, daß damit eine Teilnahmepflicht an Aufklärungs- und Schutzmaßnahmen gegen Mißbrauch bezeichnet wird.
Wie engstirnig müssen Eltern sein, um sich davon so angegriffen zu fühlen?
ODer was haben sie zu verbergen, wenn sie ihren Kindern soetwas unbedingt vorenthalten wollen?

Old Geezer hat gesagt…

"Ein gesunder Staat kann nur durch gesunde Familien existieren."

...und gesunde Familien zeichnen sich dadurch aus, daß sie vor allem, was nciht deckungsgleich mit ihrer persönlichen engstirnigen Auslegen jahrtausendealter, überkommener Mythen sind, fest die Augen verschließen, sich die Ohren zuhalten und "Lalala" singen; auf das der überlieferte Märchenglaube - obschon völlig ungeeignet zur Leitung in einer modernen Welt - weiter von Generation zu Generation überliefert werden mag?

Deutschland braucht offenbar auch soetwas wie ein Amisch-Gemeinde, als Reservat für die, die die Zeit vergaß.

Old Geezer hat gesagt…

"gegen die Glaubensfreiheit und gegen das 4. Gebot Gottes: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“

Hmmm, wo und wie genau tut es das Gesetz denn, wenn es Eltern verpflichtet, ihren Kinder den Besuch von Mißbrauchs-Präventions-Unterricht bzw. Aufklärungsuntericht zu erlauben?

Gehört zum "Eltern ehren", daß man brav den netten Onkel an sich rumtatschen läßt?
Oder schadet es der Elternehre, wenn die Tochter weiß, wo die Babys herkommen und wie es dazu kommt?


...merkwürdig, merkwürdig....

Old Geezer hat gesagt…

"Nach katholischer Auffassung ist der Erziehungsauftrag der Eltern ein gottgegebenes Naturrecht."

Auch wenn es hier im Forum immer wieder für viele berraschen kommt:

die katholische Lehrmeinung ist ncihtmal unter Katholiken allgemein akzeptiert und befolgt, der Katholizismus ist nur eine von mehreren in diesem Staat offiziell geförderten Staatskulten, und unter den Bürger dieses Staates in der strikten Form der wörtlichen Befolgung einer speziellen Bibelauslegung ein absoluter Minderheitenglaube.

Old Geezer hat gesagt…

"Ich würde mir wünschen, dass die Christen insgesamt in Deutschland aufstehen und nicht schweigen.

Dann werden sie nämlich heute schon das erleben, was ihnen vorausgesagt ist: Verfolgung."

Ich weiß nicht, wo sie Leben, aber: hier in der BRD + Anschlußgebieten ist die Mehrheit irgendwie christlich, fühlt sich KEINESWEGS verfolgt, und distanziert sich von Standpunkten wie dem Originalartikel hier - vielmehr sind sie froh und dankbar, daß sich jemand anderer Finder, der ihre Kinder beizieten aufklährt und ihnen beibringt, sich gegen Belästigung und Mißbrauch zu verteidigen, ....diese peinliche Aufgabe würde nämlich sonst ihnen zufallen.

Old Geezer hat gesagt…

"Hier sollen alle das gleiche leben"

Ist doch Unsinn. selbstverständlich darf jeden so leben, wie er möchte, solange er damit andere nciht in diesem Recht beschneitet1
Also dürfen die Eltern z.B. dieses Theaterstück ablehnen, aber nciht ihren Kindern vorschreiben, daß sie es nicht sehen dürfen.
Später, wenn sie soweit sind, dürfen auch die Kinder sich dann frei entscheiden, ob der Weg ihrer Eltern Hand und Fuß hat, oder sie andere Wege gehen wollen.

Old Geezer hat gesagt…

@Stefan Sedlaczek:

"Wie nie zuvor in der Geschichte der Deutschen, ist der dort lebende Mensch bevormundet und bevorschriftet"

...weil ncoh nie so viele Deutsche so eng aufeinander lebten und miteinander klarkommen mußten; bei gleichzeitig sovielen Möglichkeiten sich gegenseitig zu schaden.

Old Geezer hat gesagt…

@Stefan Sedlaczek:

"Die moderne Massenmenschenhaltung der selbsternannten Eliten"

...Das entspricht ja nun nicht der Wahrheit:

die "Eliten", Hedonisten oder der moderne Mensch im allgemeinen ist eher vermehrungsunwillig.
Es sind im Gegenteil die Anhänger archaischer Kulte, die immer noch das Paradigma der maximalen Reproduktion hochhalten und damit zu eben dieser Massenbevlkerung beitragen.

Old Geezer hat gesagt…

@Stefan Sedlaczek:

"die die widrigen Umstände anpacken, die Besseres zu leben suchen - wie Homeschooler, Unschooler und Freilerner dies leisten"

Das tun allerdings die wenigstens von ihnen!
Die meisten schaffen für ihre Kinder lediglich Probleme, in dem sie ihre Entwicklungsmöglichkeiten vorzeitig und willkührlich einschränken.

Der Grund ist keineswegs, daß sie ihre Kinder schützen wollen, sondern daß ihnen klar ist, daß ihre magische Weltsicht bei ihren Kinder wenig Aussicht auf Bestand hat, wenn diese mal mit Fakten und der Realität konfrontiert wird; diese Angst motiviert sie wohl viel eher.

Old Geezer hat gesagt…

@Anonym:

"[...] kann sie sich einen Rollstuhl bestellen [...]"

...ist sie nicht toll, diese Demut und Nächstenliebe der Christenheit?

Anonym hat gesagt…

KLASSE ARGUMENTATION OLD GEERZER(NICHT SARKASTISCH GEMEINT WIRKLICH GUT!)

Anonym hat gesagt…

Ja wirklich schön gedacht, nur das Mittelalter ist vorbei seit 1492. Und vor dem Recht der Eltern, kommt ganz klar das Recht des Kindes. Denn das ist kein Besitz der Eltern sondern einmal ein sich selbst bestimmender Mensch und in den Zeiten von HIV ist sexuelle Aufklärung mehr als sinnvoll. Zumal der Staat hier ganz klar sinnvolle Rechtsprechung betreibt den Aufklärung hilft bei der Lebensbestreitung allemal.
Und abgesehen davon das sich ein paar christliche Fundamentalisten darüber aufregen steht auch nirgendwo das Gott Aufklärung ablehnt.
das G

B.Birke hat gesagt…

Endlich mal positiver Jugendschutz!

Negativen, restriktiven Jugendschutz kennen wir alle: Zensur, Verbote, staatliche Zensurbehörden wie die BPjM, im äußersten Fall strafrechtliche Totalverbote selbst für Erwachsene.

Warum nicht auch mal den Begriff Jugendschutz positiv auslegen? So, dass der Staat Kindern und Jugendlichen den Zugang zu elementaren Kenntnissen unseres Lebens gewährleistet, wo verbohrte und fanatische Eltern sie dumm halten wollen. Etwa beim Grundwissen über die Sexualität oder über die Entstehung des Lebens nach wissenschaftlichem Kenntnisstand, statt nach religiösen Mythen.

Zum Jugendschutz gehört auch, dass Jugendliche Sexualität in sicherer Weise ausleben können und nicht mangels Aufklärung schwanger werden oder Krankheiten bekommen. Realitätsfremde Abstinenzforderungen können diese Probleme nicht lösen und beschneiden vor allem erheblich die Lebensqualität der Jugendlichen. Und wenn am Ende gar wieder unverheiratete Mütter und uneheliche Kinder geächtet werden, wie früher, ist das menschenverachtender und schlimmer als jede negative Folge eines promiskuitiven Lebensstils oder "sexueller Verwahrlosung"!

Hausunterricht oder andere, unkonventionelle Unterrichtsmethoden sind nicht unbedingt eine schlechte Sache und sollten vor allem da akzeptiert sein, wo Kinder in Schulen gemobbt und terrorisiert werden. Aber es darf nicht dazu dienen, Kindern Wissen vorzuenthalten! Hier muss der Staat auch notfalls mit Zwang gegen die Eltern die Kinder vor dem Dummhalten schützen!

Anonym hat gesagt…

Der Demokrat weiß immer alles - und besser. Deshalb "darf" er auch einen jeden zu seinem vermeintlichen Glück zwingen. Der Staat ist ihm Werkzeug seiner Hybris geworden. Hier zeigt die "liberale" Moderne eine ihrer Fratzen ganz deutlich. Und im Moment geht die scheinliberale Moderne ganz gehörig in ihrem eigenem Schuldenbabel unter.

Soviel allgemein dazu. Speziell zum Thema: Wenn ich Kinder hätte (und in Deutschland bekomme ich bestimmt keine) und Andere würden diese irgendwohin zwingen, womit diese und ich nicht einverstanden wären, dann gäbe es klaren und zur Not auch gewaltsamen Widerstand. Da kann es gar keinen Zweifel geben. Wer sich an Kindern Anderer vergreift, der oder die gehört eingesperrt. Dies gilt auch hier. Aber die Irren laufen ja überall frei 'rum und richten die Welt zuschanden.