Samstag, 27. Dezember 2008

Dokumentation: Papst Benedikt XVI. im Jahresrückblick zu Ehe, Gender Mainstreaming und homosexuelle Partnerschaften

Weil der Glaube an den Schöpfer ein wesentlicher Teil des christlichen Credo ist, kann und darf sich die Kirche nicht damit begnügen, ihren Gläubigen die Botschaft des Heils auszurichten. Sie trägt Verantwortung für die Schöpfung und muß diese Verantwortung auch öffentlich zur Geltung bringen. Und sie muß dabei nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Schöpfungsgaben verteidigen, die allen gehören. Sie muß auch den Menschen gegen die Zerstörung seiner selbst schützen. Es muß so etwas wie eine Ökologie des Menschen im recht verstandenen Sinn geben.

Es ist nicht überholte Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau redet und das Achten dieser Schöpfungsordnung einfordert. Da geht es in der Tat um den Glauben an den Schöpfer und das Hören auf die Sprache der Schöpfung, die zu mißachten Selbstzerstörung des Menschen und so Zerstörung von Gottes eigenem Werk sein würde. Was in dem Begriff „Gender“ vielfach gesagt und gemeint wird, läuft letztlich auf die Selbstemanzipation des Menschen von der Schöpfung und vom Schöpfer hinaus. Der Mensch will sich nur selber machen und sein Eigenes immer nur selbst bestimmen. Aber so lebt er gegen die Wahrheit, lebt gegen den Schöpfergeist. Die Regenwälder verdienen unseren Schutz, ja, aber nicht weniger der Mensch als Geschöpf, dem eine Botschaft eingeschrieben ist, die nicht Gegensatz zu unserer Freiheit, sondern ihre Bedingung bedeutet.

Große Theologen der Scholastik haben die Ehe, die lebenslange Verbindung von Mann und Frau als Schöpfungssakrament bezeichnet, das der Schöpfer selbst eingesetzt und das Christus dann – ohne die Schöpfungsbotschaft zu verändern – in die Heilsgeschichte als Sakrament des Neuen Bundes aufgenommen hat. Zur Verkündigungsaufgabe der Kirche gehört das Zeugnis für den Schöpfergeist in der Natur als Ganzer und gerade auch in der Natur des gottebenbildlichen Menschen. Von da aus sollte man die Enzyklika „Humanae vitae“ neu lesen: Papst Paul VI. ging es darin darum, die Liebe gegen Sexualität als Konsum, die Zukunft gegen den Alleinanspruch der Gegenwart und die Natur des Menschen gegen ihre Manipulation zu verteidigen.

Ansprache an das Kardinalskollegium und die Mitglieder der römischen Kurie beim Weihnachtsempfang 2008, Clementina-Saal, 22. Dezember 2008

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

Daß er es geschafft hat, beide Bruderkulte (sowohl die Muslime als auch die Juden) mit seinen Reden zu beleidigen, fand keine Erwähnung in seinem Jahresrückblick?
Oder war das schon noch ein Jahr länger her?

Matthäsius hat gesagt…

@ Old Geezer

"Daß er es geschafft hat, beide Bruderkulte (sowohl die Muslime als auch die Juden) mit seinen Reden zu beleidigen..."

Auf was genau spielst Du hier an?
(Ich hoffe für Dich, daß seine Rede in Regensburg nicht in der Antwort enthalten ist, das wäre wirklich lächerlich...)

an und aussichten hat gesagt…

Wenn der Schöpfer uns geschaffen hat, dass wir in der Lage zur
"[..] Selbstemanzipation des Menschen von der Schöpfung und vom Schöpfer hinaus.[..]" sind, dann sollten wir diese Gottesgabe nicht verdorren lassen und uns entwickeln. Wahrscheinlich wundert sich der Schöpfer schon, dass es kaum einer schafft sich selbst zu emanzipieren.

an und aussichten hat gesagt…

Also immer wenn ich sowas lese muss ich an Freud (leider kein guter Katholik) und seine Theorien der Abwehrmechanismen und der Projektion denken.
Wenn es innerhalb der Kirche nicht so ein grosses und wichtiges Thema wäre wäre es vielleicht auch einfach gar kein Thema und die Kirche könnte sich ihren Kernkompetenzen: der Nächstenliebe usw. zuwenden.

Matthäsius hat gesagt…

@ "an und aussichten"

"...die Kirche könnte sich ihren Kernkompetenzen: der Nächstenliebe usw. zuwenden."

Wer hat Dir denn gesagt, daß das die Kernkompetenz der Kirche sei?