Mittwoch, 22. Oktober 2008

Fragen an Dr. Gabriele Eckermann, Vorsitzende des Vereins Schulunterricht zu Hause

1. Vor kurzem haben Sie, Frau Gabriele Eckermann, einen offenen Brief an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe veröffentlich, in dem Sie die Nichtannahme einer Klage von Eltern, die ihr Erziehungsrecht einforderten, kritisierten. Worum ging es konkret bei der Klage dieser Eltern?

Die Eltern wurden strafrechtlich verfolgt, wegen Verletzung der Schulpflicht. Sie hatten ihre drei Töchter aus der staatlichen Schule genommen und unterrichteten sie zu Hause. In der ersten Instanz wurden sie freigesprochen. Das Gericht urteilte, dass Eltern nicht gegen ihr Gewissen gezwungen werden können, ihre Kinder in die Schule zu schicken, deren Unterricht ihre Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art 4 I GG) verletze. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wurden die Eltern in der 2. Instanz mit der Begründung verurteilt, die Verletzung ihres Gewissens hätten sie hinzunehmen. Die Revision der Eltern blieb ohne Erfolg.

Die Eltern hatten dann das Verfassungsgericht angerufen zum Schutz ihres elterlichen Erziehungsrechtes gegen die ideologischen Eingriffe durch die staatliche Erziehung.

Diese Verletzung machten sie insbesondere an der staatlichen, fächerübergreifenden Sexualerziehung fest. Diese sei völlig scham- und ethiklos. Sie beruhe auf der Ideologie der Emanzipation, die sie nicht teilen und für falsch und schädlich halten. Diese ideologische Erziehung steht ihrer christlichen diametral entgegen. Die Eltern hatten zum Beweis der Verletzung ihres Grundrechts Unterrichtsmaterialien vorgelegt, die die emanzipatorische Ausrichtung dieses fächerübergreifenden Unterrichts dokumentieren. Die Kinder wurden damit angeleitet, sich sexuell freizügig zu betätigen, wie sie gerade wollten: Sie könnten sich selbst befriedigen, sich homo- oder bisexuell betätigen, - keiner habe ihnen da dreinzureden. Es wurden ihnen hierin alle Verhütungsmittel aufgezählt; die Abtreibung wurde als adäquates Mittel dargestellt, falls es doch zu einer Schwangerschaft käme.

Ihr Elternrecht sahen sie auch dadurch verletzt, dass die staatliche Schule die Schöpfungstheorie unterdrückte und ignorierte, und dass die Schule behauptete - der Wahrheit zuwider -, die Evolutionstheorie sei wissenschaftlich bewiesen. Damit zersetzte diese Unterrichtung ihre christliche Glaubenserziehung und machte Gott zu einem Lügner.

Einen rechtswidrigen Eingriff in ihr Erziehungsrecht, dem das Bundesverfassungsgericht wehren sollte, sahen die Eltern auch darin, dass ihre Kinder hypnotischen und buddhistischen Praktiken in der Schule aus-gesetzt waren. Das Landgericht bestätigte diese Praxis der Schulen "zur mentalen Konzentrierung des Schülers" und urteilte, dies müssten die Eltern eben hinnehmen.

Mit der Verfassungsbeschwerde wandten sich die Eltern auch dagegen, dass die staatliche Schule - ganz im Sinne der Emanzipation - sie verächtlich machte, die Kinder zum Ungehorsam gegen sie verleitete und durch diese Unterrichtsinhalte in die christliche Familiensphäre und in die Glaubenserziehung der Beschwerdeführer zersetzend eingriff.

2. Inwiefern wird das Erziehungsrecht der Eltern durch das Grundgesetz geschützt?

Das Grundgesetz garantiert den Eltern das Recht, ihre Kinder zu erziehen und zu pflegen, als natürliches Recht. Dieses ist nicht vom Staat verliehen, sondern der Staat garantiert lediglich dieses sich aus der menschlichen Natur ergebende Recht im Grundgesetz. Als natürliches Recht ist es für alle Zeiten gültig und von Raum und Zeit unabhängig. Es ist unüber-tragbar und grundsätzlich unentziehbar. Es steht den Eltern als absolutes Recht zu, das sie gegenüber jedermann verteidigen können. In Art. 6 Abs. 2 Satz 1 heißt es:

"Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht."

Nur in Ausnahmefällen müssen die Eltern Eingriffe in dieses Recht gestatten, nämlich dann, wenn durch das Verhalten der Eltern das Wohl des Kindes gefährdet wird (§ 1666 BGB und Art 6 II Satz 2 GG).

Dieses Elternrecht beinhaltet auch das Recht, die Kinder in religiöser und weltanschaulicher Hinsicht zu erziehen. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu ausgeführt (Bundesverfassungsgerichts-Entscheidung (BVerfGE) 93, S. 1/17):

"Im Verein mit Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG, der den Eltern die Pflege und Erziehung ihrer Kinder als natürliches Recht garantiert, umfasst Art. 4 Abs. 1 GG auch das Recht zur Kindererziehung in religiöser und welt-anschaulicher Hinsicht. Es ist Sache der Eltern, ihren Kindern diejenigen Überzeugungen in Glaubens- und Weltanschauungsfragen zu vermitteln, die sie für richtig halten. Dem entspricht das Recht, sie von Glaubensüberzeugungen fernzuhalten, die den Eltern falsch und schädlich erscheinen."

Demgemäß hat das Bundesverfassungsgericht antroposophischen Eltern Recht gegeben, die sich in ihrer Glaubenserziehung durch ein Kreuz im Klassenzimmer ihrer Kinder verletzt sahen. Das Kreuz musste weichen, - andernfalls hätte den Kindern zum Schutz der elterlichen Glaubenserziehung Befreiung vom Schulbesuch erteilt werden müssen.

Die Verfassungsbeschwerde im oben genannten Fall hätte nach eben diesem Recht angenommen werden und zugunsten der Eltern entschieden werden müssen. Denn der staatliche Sexualkundeunterricht hat schwer-wiegender in das elterliche Erziehungsrecht eingegriffen, als es ein stummes Kreuz an einer Klassenzimmerwand tun kann.

3. Wird in der schulischen Praxis dieses Erziehungsrecht der Eltern respektiert?

Leider nein. Es besteht generell eine Tendenz, das elterliche Erziehungs-recht in der staatlichen Schule zugunsten des Staates einzuschränken. Die Schulbehörden (der Staat) streben wohl eine lokale Teilung des staatlichen und des elterlichen Erziehungsrechtes an. In der Schule soll ausschließlich der Staat das Sagen haben - und zu Hause die Eltern. Mit Kinderkrippen und Kindergarten, Früheinschulung und Ganztagsschule verlieren die Eltern ihren Einfluss auf ihre Kinder. Das natürliche Recht der Eltern, das ihnen zuvörderst zusteht, wird durch die Staatserziehung ersetzt.

4. Was war die Haltung des Bundesverfassungsgerichtes hinsichtlich des Erziehungsrechts der Eltern in den letzten Jahren?

Seit dem oben erwähnten sogen. Kreuzbeschluss (1995) werden Verfassungsbeschwerden von Eltern, die sich auf den Kreuzbeschluss berufen, nicht mehr zur Entscheidung angenommen.

Mit dem Nichtannahmebeschluss des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2003 (1BvR 436/03) in einer ähnlichen Schulpflichtsache hat das Bundesverfassungsgericht m.E. sein rechtsstaatliches Wächteramt über die Beachtung der Grundrechte verlassen und sich zum Anwalt der "Allgemeinheit" gemacht, indem es die Verfassungsbeschwerde eines christlichen Ehepaares und ihrer zu Hause unterrichteten zwei Kinder, die sie zu Hause unterrichteten, mit folgender Begründung nicht zur Entscheidung annahm:
„Die Allgemeinheit hat ein berechtigtes Interesse daran, der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten „Parallelgesellschaften“ entgegenzuwirken...“

Damit hat das höchste deutsche Gericht die „Allgemeinheit“ zum Maßstab seiner Entscheidungen gemacht - und nicht mehr geltendes Recht. Den Begriff "Parallelgesellschaft" - dem geltenden Recht unbekannt - hat das Verfassungsgericht undefiniert gelassen.

5. Was können Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder am Sexualunterricht teilnehmen, tun, um nicht in die Illegalität zu kommen?

Es gibt Bundesländer - z.B. Baden-Württemberg -, die aus Glaubens- und Gewissensgründen vom Sexualkundeunterricht befreien. Diese Möglichkeit sollten die Eltern in Anspruch nehmen und in anderen Bundesländern auf diese Beachtung des Elternrechtes in Baden-Württemberg hinweisen, um in ihrem Bundesland einen ähnlichen Status zu erreichen.

Wird keine Befreiung erteilt, so bleibt den Eltern nur, auf der Einhaltung der vom Bundesverfassungsgericht festgelegten Zulassungsvoraussetzungen für den staatlichen Sexualkunde-Unterricht zu achten (BVerfGE 47,46ff), ohne deren Einhaltung der Sexualkundeunterricht verfassungswidrig ist. Zu diesen Voraussetzungen gehört:

- eine ausführliche Elterninformation - über Inhalt, Methode und Medien -, die normalerweise an einem Elternabend (Klassenpflegschaft) erfolgen sollte. Die Eltern sollten dort ganz klar sagen, was sie nicht wollen, und aus welchem Grund. Sie sollen eine Konfliktlösung anstreben.
- dass die Schule „auf das natürliche Elternrecht und auf deren religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen“ Rücksicht zu nehmen hat. Wird die weltanschauliche oder religiöse Haltung der Eltern nicht berücksichtigt, sollten der Rektor, die Schulbehörde und ggf. das Kultusministerium und gegebenenfalls die Gerichte eingeschaltet werden. Manche Eltern haben lieber ein Bußgeld gezahlt, als ihre Kinder an einem Sexualkundeunterricht teilnehmen zu lassen, den sie aufgrund ihrer religiösen bzw. weltanschaulichen Überzeugung ablehnen mussten.
- dass diese Elterninformation rechtzeitig erfolgt, damit die Eltern genügend Zeit haben, ihrem Kind zuvor die eigene Anschauung zu den schulischen Sexualthemen zu vermitteln, um dem zuvörderst ihnen zustehenden Erziehungsrecht gerecht zu werden.
- auf das Persönlichkeitsrecht des Kindes (vonseiten der Schule) Rücksicht zu nehmen; die Sexualerziehung kann daher erst erfolgen, nachdem der Lehrer sich gründlich über die psychologische Situation und den Reifegrad der Kinder informiert hat.
- dass die Schule insbesondere jeden Versuch einer Indoktrinierung der Kinder unterlässt.
In der schulischen Alltagspraxis werden diese Voraussetzungen für die Abhaltung des Sexualkundeunterrichtes vielfach mißachtet.

6. Deutschland ist eines der wenigen Länder auf der Welt, die Erziehung zu Hause komplett verbieten. Wie kam es dazu?

Die Hausunterrichtung ist in Deutschland nicht gesetzlich verboten, sondern wird lediglich nicht gewährt, was einem Verbot gleichkommt. Es ist also zutreffend, dass Deutschland eines der wenigen Länder der Welt ist, die Hausunterrichtung nicht zulassen.

Zu dieser verbotsähnlichen Situation kam es durch die Rechtsprechung. Diese hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die in den einzelnen Schulgesetzen der Bundesländer enthaltenen Ausnahmeregelungen - entgegen ihrem Wortlaut - verengend ausgelegt wurden, um z.B. aus Gewissensgründen keine Schulbesuchsbefreiung mehr erteilen zu müssen. Der Ausnahmetatbestand im Niedersächsischen Schulgesetz (§ 63, Abs. 5) lautet z.B.:
"Schulpflichtigen der ersten sechs Schuljahrgänge darf Privatunterricht an Stelle des Schulbesuchs nur ausnahmsweise gestattet werden."

7. Wie sieht es bei unseren europäischen Nachbarn aus?

Alle europäischen Nachbarn lassen Hausunterricht unter unterschiedlichen Voraussetzungen zu. In Österreich genügt es, dass die Eltern anzeigen, dass ihr Kind zu Hause unterrichtet wird. Die Eltern bekommen die Schulbücher, und ihr Kind wird zum Schuljahresabschluss geprüft. Hat es die entsprechenden Leistungen, darf es weiter zu Hause unterrichtet werden; anderenfalls muss es in die staatliche Schule.

Irland hat Hausunterricht in Art. 42 seiner Verfassung so geregelt:

"Der Staat erkennt an, dass die Erziehung des Kindes in erster Linie und natürlicherweise der Familie obliegt; er verbürgt sich, das unveräußerliche Recht und die unveräußerliche Pflicht der Eltern zu achten, je nach ihren Mitteln für die religiöse, moralische, geistige, körperliche und soziale Erziehung ihrer Kinder Sorge zu tragen.

Es steht den Eltern frei, für diese Erziehung in ihrer Privatwohnung, in Privatschulen oder in staatlich anerkannten oder vom Staat eingerichteten Schulen zu sorgen.

Der Staat darf die Eltern nicht dazu verpflichten, ihre Kinder unter Verletzung ihres Gewissens und ihrer rechtmäßigen Vorliebe in staatliche Schulen oder irgendeinen besonderen, vom Staate vorgeschriebenen Schultypus zu schicken."

8. Kann dieses Totalverbot mit dem Grundgesetz gerechtfertigt werden?

Nein. Das Grundgesetz kennt kein Verbot der Hausunterrichtung.

Die Hausunterrichtung muss zur Wahrung des Grundgesetzes zugelassen werden, wenn durch den Schulbesuch Grundrechte verletzt werden.

9. Welche Perspektiven gibt es zur Zeit in dieser Frage?

Es haben sich positive Ansätze gezeigt, die zu einem Umdenken in der deutschen Hausschulpolitik führen könnten.

So hat z.B. der UN-Sonderbeauftragte von der Sektion Menschenrechte, Prof. Dr. Vernor Munoz, in seinem Gutachten zur Verwirklichung des Rechts auf Bildung in Deutschland vom 09.03.2007 die Regierung dazu aufgefordert, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um sicher zu stellen, dass die Unterrichtsform der elterlichen Unterrichtung zu Hause (Homeschooling) gebührend staatlich geregelt und damit das Recht der Eltern gewährleistet wird, diese Unterrichtsform, wenn erforderlich und angemessen, durchzuführen und damit dem Kindeswohl zu dienen.

Der deutsche Erziehungswissenschaftler, Prof. Volker Ladenthin, Bonn, fordert die Legalisierung des Hausunterrichtes und nennt die Kriminalisierung der Eltern, die Hausunterrichtung durchführen, einen Skandal.

Wird Deutschland weiterhin die Schulpflicht wie bisher durchsetzen wollen, wird sich der Exodus von bildungsbewussten und christlichen Familien aus Deutschland fortsetzen.

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

Hier drängt sich mir die Gegenfrage auf:

Warum wird das immer nur von dem Standpunkt der Eltern aus gesehen?
Haben die Kinder kein Recht auf Chanchengleicheit und freien Zugang zu Bildung, freier Wahl der Ausbildung, undgehindert durch Willen oder Möglichkeiten ihrer Eltern?
Haben Kinder nicht auch ein Anrecht darauf, Zeit mit selbstgewählten Freunden nach ihrem Gusto verbringen zu können, anstatt die Lebensvorstellungen ihrer Eltern verwirklichen zu müssen?


Zum 1. Urteil:
Das würde ja bedeuten, das schlichtweg jede Glaubensgemeinschaft den Schulbesucht verweigern könnte, weil keine öffentliche Schule korrekt im Sinne Jahrtausendealter Mythen lehren kann; ...und wenn es nur daran scheitert, daß dort die Kinder mit Ungläubigen zusammentreffen.
Insofern war klar, das dieses Urteil keinen Bestand haben konnte.

Das den Kindern niemand hereinzureden hat wie sie sich sexuell betätigen, leitet sich auch offensichtlich aus Grundgesetz und Menschenrechten her - ab 16, spätestens 18 ist da Schluß mit der Einflußnahme der Eltern.

Ich farge maich, was die Eltern hier von einer ihnen genehmen Schule erwarten?
Sollen die Märchen vom Rückenmarksschwund und ewiger Verdammnis gelehrt werden?
Dem steht doch der allgemein Bildungsauftrag entgegen, der Schulen daran hindert, groben Unfug und Mythen gesellscahftlicher Splittergruppen als objektiven Lehrstoff zu vermarkten.

Beim Thema "Schöpfungstheorie" offenbart sich wieder, warum viele Menschen gegen Homeschooling sind: hier haben offenbar die Eltern keinerlei Ahnung, maßen sich aber an zu bestimmen, was ihren Kindern beizubringen ist.
(Beweisführung wissenschaftlicher Theorien, Bezeichung von anachronistischen Mythen als Theorie, etc.)
Kinder die ausschließlich in einem Solchen Umfeld aufwachsen, dürften es später schwer haben in einer technischen, entwickelten Gesellschaft einen Platz zu finden.
Und gehört es nicht zu den Aufgaben eines Staats, allen Kindern eine Chance auf Bildung, Beruf, etc. einzuräumen?

Anderes Punkt werden hier zu nebulös angesprochen um dazu Stellung zu nehmen (Was sollen 'hypnotische Praktiken' sein, warum sollen christliche Ideen gelebt werden, buddhistische nicht, wie meinen sich die Eltern lächerlich gemacht zu haben?)

Aber der Schluß dieses Absatzes mach hellhörig und hier scheinen mir die Eltern die Bibel nciht mehr ganz parat zu haben, sagt doch Jesus sleber sinngemäß, das keiner zu ihm finden kann, der sich nicht im Streit von seiner Familie trennt; ja, daß er selbst gekommen ist, den Sohn gegen den Vater und die Tochter gegen die Mutter aufzubringen?

Old Geezer hat gesagt…

Zu 2.:

Haben Kinder nicht auch ein grundgesetzlich verbrieftes Recht auf Bildung?
Haben Kinder - zumindest im Gymnasialalter - nicht zudem ein recht auf freie Glaubenswahl?

"Als natürliches Recht ist es für alle Zeiten gültig und von Raum und Zeit unabhängig."
- mit Verlaub, bei solchen Formulierungen fragt man sich doch schon, was die gute Frau Doktor da vorm Interview geraucht hat.
(Apropos, was mag sie wohl studiert, worin promoviert haben?)

"Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.
"Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.
Nur in Ausnahmefällen müssen die Eltern Eingriffe in dieses Recht gestatten, nämlich dann, wenn durch das Verhalten der Eltern das Wohl des Kindes gefährdet wird (§ 1666 BGB und Art 6 II Satz 2 GG)."

...und das wird nicht verletzt, wenn man ihnen die Zukunft versaut, indem man ihnen qualifizierte Berufe gleich reihenweise verbaut?

"Dem entspricht das Recht, sie von Glaubensüberzeugungen fernzuhalten, die den Eltern falsch und schädlich erscheinen."

...aber das geschieht doch im Rahmen eine öffentlichen Schule auch gar nicht; zumindest nicht mehr als auf der Straße vor ihrem Haus, wo sie auch Moslems, Juden, Atheisten, Buddhisten, etc. begegnen und ggf. sogar mit ihnen spielen?

"Demgemäß hat das Bundesverfassungsgericht antroposophischen Eltern Recht gegeben, die sich in ihrer Glaubenserziehung durch ein Kreuz im Klassenzimmer ihrer Kinder verletzt sahen. ...
Die Verfassungsbeschwerde im oben genannten Fall hätte nach eben diesem Recht angenommen werden und zugunsten der Eltern entschieden werden müssen. Denn der staatliche Sexualkundeunterricht hat schwer-wiegender in das elterliche Erziehungsrecht eingegriffen, als es ein stummes Kreuz an einer Klassenzimmerwand tun kann."

Das kann ich so nicht nachvollziehen.
Sexualkundeunterricht ist recht biologistisch und vorallem weltanschaulich neutral - er behandelt harte meßbare Fakten der menschlichen Natur, und die gelten für Christen ebenso wie für andere Menschen - auch die strenggläubigste Pfarrerstochter wird nicht vom Küssen schwanger, kann sich aber vom Sex mit dem falschen HIV, Hepatits oder Syphilis holen...

...dagegen ist das Kreuz an der Wand ein rein kultisches Symbol (es erfüllt keinen Zweck, vermittelt kein Wissen), und noch dazu eines einer spezifischen Glaubensrichtung, die viele Andersgläubige mit Angst oder Vorurteilen betrachten könnten.

Old Geezer hat gesagt…

zu Punkt 3:

Hier wird unterschlagen, daß Kindergarten und -Krippe völlig freiwillig sind, daß Kinder in der Krippe sowie zu jung sind, um mit solchen esotherischen Konzepten etwas anfangen zu können, und das es reichlich konfessionelle und private Schulen (auch Schulen in freier Trägerschaft, die kaum Extrakosten verussachen) gibt, in die man siene Kinder schicken könnte, wenn einem die staatlichen Schulen nicht gefallen.

Außerdem scheint mir die Interviewte hier ein sehr schwache Bild von den Eltern zu haben: diese hatten das Kind 6 Jahre unter alleiniger Kontrolle, beherrschen 2/3 seines Tages nach wie vor, und selbst in der Schlue treten weltanschauliche Konflikte mit dem was die eltern vermitteln ja nur in einem kleinen Teil der Zeit auf.
Ich sehe hier also gar keinen Grund für religiös motivierte Eltern sich untergraben zu fühlen, wenn ihre religiöse Argumentation nicht eh schon auf so wackligen Füsen staht, daß jeder Kontakt zu anderem Gedankengut eine Gefahr darstellt.

Es ist doch ein leichts, für jede der vielleicht 12 Stunden Sexualkunde in der Unterstufe mal eine eigenen Stunde zu entbehren um im Gespräch zwischen Eltern und Kind ihren Standpunkt zu verdeutlichen.

Old Geezer hat gesagt…

Das BVG hat eben erkannt, daß die Idee des Grundgesetzes im GEIST der Verfassugn stekt, und nicht nur in einem mehr als 50 Jahre alten Wortlaut, der weder Migration, noch Mulitikulturelle Gesellschaften kannte, und sich über Generationenkonflikte und religiösen Fundamentalismus nicht äußerte.

Das auf den exakten Wortlaut zu reduzieren, widerspricht nicht nur juristischer Tradition, sondern würde die Anwendung fast aller Gesetzestexte auf spätere Generationen (also eigentlich alle Verfassungen der Welt) zu einer Persiflage verkommen lassen.

Old Geezer hat gesagt…

zu Punkt 4.: Eine Alternative wäre auch, wenn sie es in alle der Zeit nicht geschafft haben, ihre Überzeugung zum Thema Sexualität glaubwürdiger darzustellen als der biologisch/statistische Sexualkundeunterricht (der ja gerade Bemüht ist, keine WErte zu vermitteln, um den Kindenr und ihren Eltern die freie Entscheidung zu lassen), sich mal Gedanken darüber zu machen, ob ihre Wertevorstellung nicht doch etwas sinn- und haltlos ist und nicht doch vielleicht auf einer zu schwachen Datenbasis beruht, um danach sein Leben zu organisieren.

Old Geezer hat gesagt…

Zu 6.: Viele der Länder die Homeschooling erlauben, haben auch ihre Probleme damit.
In England scheint es ganz gut zu laufen, auch wenn dort fundamentalistische Moslems mit ihrer Politik der inneren Seperation ein gefährliches Potential haben.
Aber z.B. in den USA führt es in der Regel nur dazu, daß Kinder aus der Unterschicht arbeiten müssen oder aus der Straße rumhängen statt zur Schule zu gehen, daß sich fundamentalistische Religiäse Gruppierungen ihre nächste Generation von nicht-integrierbaren Nutcases herranziehen, und under den oft ambitionierten Wohlhabenden zwar gebildete, aber asoziale und verhaltensgestörte Nachkommen heranwachsen.

Es ist nicht alles Gold was glänzt, und nur weil ein paar Beispiele von engegierten Eltern und Hauslehrern exisieren, bei denen Homeschooling zu guten Ergebnissen führt, und ein Amisch-verzogener Jugendlicher in seiner Heimatgemeinde gut klarkommt, bedeutet das nicht, daß es als gesamtgesellschaftliches Modell erstrebenswert ist.