Montag, 22. September 2008

Paderborn: Streit um Theatervorführungen und Sexualkundeunterricht

Eltern, die ihre Kinder von Theaterfahrten und Sexualkundeunterricht fernhalten, müssen mit hohen Bußgeldern rechnen, weil sie die Schulpflichten verletzen. Das erleben laut Informationen von MEDRUM jetzt viele Eltern in Salzkotten.

In Salzkotten wurde eine stattliche Anzahl von Bußgeldverfahren gegen Eltern in Gang gesetzt, die ihre Kinder aufgrund ihrer Glaubens- und Gewissensüberzeugung nicht an bestimmten Theaterfahrten und Sexualkundeunterrichtsveranstaltungen teilnehmen lassen. Für 28 Kinder aus 12 Familien wurden Bußgeldbescheide erteilt, deren Bußgeldsumme den Betrag von 15.000 EURO übersteigt. Das sind durchschnittlich mehr als 500 EURO pro Kind. Das Schulamt hat also kräftige Bußen verhängt. Die Zahl der Bußgeldverfahren nehme kein Ende, heißt es in einer Information der Baptisten-Gemeinde Salzkotten. Die Situation spitze sich zu.

Mit den hohen Summen will das Schulamt die ablehnende Haltung der Eltern brechen. Das Schulamt Paderborn habe in den Beischeiden mitgeteilt:

"Da Sie auch bisherige Bußgeldverfahren bzw. die jeweils die Bußgeldentscheidungen bestätigenden Gerichtsurteile nicht zu einer Verhaltensänderung bewegen konnten, musste im vorliegenden Fall eine empfindliche Geldbuße festgesetzt werden, um dem zu Grunde liegenden Verstoß nach Art um Umfang Rechnung tragen zu können. Die Geldbuße wird daher als angemessen und mindestens erforderlich erachtet, um Sie zukünftig zur Einhaltung Ihrer Pflichten als Erziehungsberechtigter anzuhalten."

Die Baptistengemeinde hat dazu aufgerufen, gegen die Haltung des Schulamtes zu protestieren. Auch in diesem Jahr seien wieder Theaterfahrten zur Vorführung "Mein Körper gehört mir" vorgesehen.

Mit dem Theaterstück, das für die Vorführung in der 3. und 4. Klasse von Grundschulen vorgesehen ist, soll dem sexuellen Mißbrauch vorgebeugt werden. Es werden sowohl Übergriffe von Exhibitionisten und Fremdtätern wie auch sexuelle Übergriffe im familiären Bereich behandelt. Dabei berichtet in einer Szene beispielsweise ein Junge vom Mißbrauch durch seinen Onkel und findet schließlich Hilfe bei seiner Lehrerin.

Dennoch sehen Kritiker Grund zur Distanzierung von diesem Theaterstück, weil nach deren Auffassungen grundsätzliche Vorstellungen zum Umgang mit der Sexualität enthalten sind, die mit der Sexualethik, die sich aus dem christilichen Menschenbild ableitet unvereinbar sind und die Gefahr der Frühsexualisierung von Kindern in sich bergen.

In einer rechtsanwaltschaftlichen Stellungnahme, die MEDRUM vorliegt, heißt es dazu unter anderem:

"Das Schulprojekt 'Mein Körper gehört mir' beruht auf der atheistischen, emanzipatorischen, liberalen, dem Lustprinzip folgenden Sexuallehre, die von pro familia, der Initiatorin dieses Projektes, ganz im Sinne der staatlichen Sexualerziehung, grundsätzlich vertreten wird. Diese Ideologie kommt in dem Lied, das die Kinder in diesem Projekt der angeblichen Missbrauchsprävention lernen sollen, zum Ausdruck: "Mein Gefühl, das ist echt; mein Gefühl hat immer recht."

Quelle: MEDRUM

Kommentare:

Sandra hat gesagt…

wie merkwürdig, wieder sind es die bösen deutschen, die bussgelder bezahlen müssen, wenn man seine kinder aus o.g. gründen nicht an gewissen dingen in der schule teilhaben lassen möchte.

ist man aber muslim, möglichst noch mit einem migrationshintergrund, dann ist es völlig legitim, dass muslimische madchen nicht zum schwimmunterricht dürfen, nicht mit auf klassenfahrt düfen etc. pp.

da hilft nur noch eines: seinen ausweis wegwerfen und mit gebrochenem deutsch auf's amt kommen, denn mittlerweile haben in deutschland menschen anderer nationen deutlich mehr rechte als die einheimischen.

vielleicht sollten die christen sich auch zu "berufsbeleidigten" wandeln wie manche menschen orientalischer religionen, vielleicht sollten christen unsere landesfahne verbrennen und mit gewehren in die luft schiessen, um seine rechte im eigenen land endlich wieder geniessen zu können.

hier findet von staats wegen eine unterdrückungskultur statt, die einer demokratie nicht würdig sind, wobei ich sowieso der meinung bin, dass wir schon längst in einer verwaltungs- medien- und wirtschaftsdiktatur leben.

Old Geezer hat gesagt…

Umgekehrt wird ein Schuh draus!

Deutsche Kinder haben ein Recht auf umfassende Bildung, auch wenn ihre Eltern sich (und sie) lieber in einer dunklen Ecke vor der Realität verstecken wollen.

Es ist bedauerlich, das Migrantenkinder diesen Rechtsschutz nicht genießen, aber wohl auch ein Grund warum unter ihnen viele auf niedrigerer Bildungsschicht verharren.

Trapin hat gesagt…

Seit längerem ist zu beobachten, dass sich Bildung über gottferne Inhalte definiert. Man fragt nicht mehr nach dem Schöpfer, sondern lebt seine "eigene" Gerechtigkeit.
Auch ein "C" im Parteinamen ist kein Garant dafür, den moralischen Niedergang aufzuhalten obwohl sie in der Regel ja noch in der "Kirche" sind-was immer das im einzelnen bedeuten mag.
Es darf einem wandelbaren Staat niemals überlassen werden moralisch ethische Grundlagen dem Zeitgeist anzupassen.
Als entschiedene Christen können wir nur nein sagen zu einer Sexualaufklärung die den Egoismus pur auf ihre Fahnen geschrieben hat.
Vielleicht ist der radikale Islam ein Gericht Gottes über eine Welt, die exzessive Freiheit und Sinnleere proklamiert?
Der Mensch schafft es nicht, etwa technische Errungenschaften wirklich zum Nutzen aller Menschen einzusetzen. Wie sonst ist es zu erklären, dass manche Menschen in kurzer Zeit über ein Vermögen verfügen mit dem sie ganze Armeen unterhalten könnten?
Ohne Gott und seine Gerechtigkeit, geht es in die Finsternis.

Old Geezer hat gesagt…

Ich kann die Argumente meines Vorredners nicht nachvollziehen:
selbstferständlich definiert sich Bildung über gottferne inhalte - schließlich gibt es keine Einigung über gootbezogene Inhalte und als solches kann sich keine allgemein zu verstehende Bildung dieses Themas ernsthaft annehmen.
Es gibt hunderte von Religionen und in diesen tausende von Sekten, von denen vermutlich so ein Zehntel auch von Bundesbürgern in diesem Land vertreten werden; wie kann ein theologisch anspruchsvoller (wenn das überhaupt für möglich hält) Unterricht für all diese aussehen?
Dazu kommt das Problem, daß man ohne jede spirituelle Orientierung trotzdem ein gutes Leben führen und ein produktives Mitgleid der Gesellscahft sein kann, wo also soll ein Interesse des Staates liegen, irgendeinen Glauben stärker im Unterricht einzubringen?

Ethische Grundlagen werden von der Gesellscahft gelebt!
Ein Staat kann versuchen sie zu erzwingen (spanische Inquisition, iranische Revolutionwächter, amerikanische Picketfencer, usw.), aber wenn die Menschen nicht mehr dahinterstehen, ist das ganze nur eine leeres Bemühen.

Ihre Kommentar vom Islam als Gericht gottes ist ein schönes Beispiel, da die allermeisten Menschen hierzulande auch aus christlichen Gruppierungen (und somit auch die Schüler und Lehrer) das rundheraus ablehnen würden, aber da es keine Möglichekti gibt, hierbei eine Wahrheit festzustellen, ist das ganze ein müßiges Gedankenspiel, das niemanden weiterbringt - und somit in der Schule reine Zeitverschwendung.

Und in die Finsternis geht es sowieso irgendwann, Ihre Chance unter alle den Möglichkeiten den richtigen Gott gewählt zu haben und somit besser wegzukommen als anderen Menschen dürfte verschwindend gering sein...
...wieder ein Grund, Schüler nicht mit solchen fruchtlosen Vorstellungen zu deprimieren.

Barbara hat gesagt…

Ich möchte als Mutter nach wie vor Mitspracherecht über die Erziehungsinhalte, die meinen Kindern in der Schule zuteil werden, gerade im moralischen und ethischen Bereich. Oder sollen Eltern entmündigt werden? Vielleicht von kinderlosen Intellektuellen? Wer von Beiden mag ein ernsthafteres Interesse am Wohl des Kindes haben?.

Old Geezer hat gesagt…

@Barbara:

Sie haben doch diese Einflußmöglichkeit:
a) Sie können sich für ihr Kind eine konfessionelle oder weltanschauliche Schule aussuchen;
b) Sie können ihr Kind neben der öffentlichen Schule in die Sonntagsschule/Koranschule/Bibelstunde/etc. schicken;
c) und schließlich können Sie ihr Kind auch selber erziehen und ihm so Ihre ethischen Werte vermitteln.

Die Frage nach dem Wohl des Kindes läßt sich auch anders formulieren: wer ist in der Lage, das Kindeswohl zu definieren und hat die Möglichkeiten es zu realisieren?
Schließlich verweigern Eltern auch mal in einer fixen Wahnvorstellug verhaftet ihren eigenen Kindern medizinische Versorgnung; warum sollte man in Bildungsfragen mehr Vertrauen in die Instanz 'Elternhaus' setzen?

Schließlich muß der Staat auch die Rechte seiner minderjährigen Bürger vertreten, z.B. das Recht auf Bildung; auch wenn die eltern der Meinung sind, alles was ein Kind wissen muß, könnte es aus dem Kathechismus lernen, schließlich hätten sie selbst es ja auch nciht weiter gebracht, und aus ihnen wären auch so gottesfürchtige Menschen geworden.